Kilo & Meter Blog 3 (01.11)

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Off-Season: Zwischen Stillstand und Neubeginn

Tic tac. Die Uhr erinnert mich daran, wie schnell die Zeit vergeht.
Seit nun 22 Tagen bin ich offiziell in der Off-Season.

Was bedeutet Off-Season überhaupt?

Nach einer langen Saison voller Sport, Disziplin und körperlicher Belastung ist die Off-Season die Zeit, um runterzukommen – körperlich und mental.

Gerade der zweite Punkt, die mentale Erholung, steht für mich dieses Jahr ganz oben auf der Liste. Denn vonFebruar bis Mitte Juni war ich verletzt: einMuskelfaserriss in der Wade, der meine gesamte Saisonplanung über den Haufen geworfen hat.

Eine mehrmonatige Zwangspause.

Rückblick: Die wahre Herausforderung

Im Nachhinein betrachtet war die Pause selbst nicht das Schlimmste.
Was mich wirklich belastet hat, war die Ungewissheit:
Wann geht es endlich weiter?

Ich möchte hier kein Ärzte-Bashing betreiben – aber diese Zeit hat mir einige Erfahrungen beschert. Ich habe gemerkt, wie unterschiedlich man behandelt wird, wenn man nicht in das „sportliche Idealbild“ passt.

Ich bin überzeugt: Hätte ich 85 kg gewogen und eine sportliche Figur gehabt, hätte ich mir einige Sprüche und Blicke sparen können.
Dass eine Verletzung nicht zwangsläufig mit dem Gewicht zusammenhängen muss, scheint für manche Ärzt:innen schwer vorstellbar.

„Sie sind einfach zu schwer.“

Ich trainiere seit zweieinhalb Jahren professionell betreut.
Mein Trainer achtet sehr darauf, das Lauftraining gezielt und dosiert zu gestalten. Die meiste Ausdauer hole ich mir über das Radfahren und Schwimmen – das funktioniert super.

Als dann ein Orthopäde, der mich nicht kannte, meinte:


> „Sie sind einfach zu schwer.“

…musste ich innerlich schlucken. Kein Nachfragen. Kein echtes Interesse an meinem Trainingshintergrund. Keine Untersuchung.

Der Behandlungsplan?


> „Da kann man nicht viel machen. Kein MRT, kein Röntgen. Kommen Sie in 3–4 Monaten wieder. Wenn Sie Schmerzen haben, nehmen Sie eine IBU.“

Das war’s.


So sah meine „Behandlung“ aus.

Mein Plan während der Zwangspause

Ich wollte die Zeit nutzen, um endlich abzunehmen.


Also: Ernährung umstellen. Weg mit den „bösen“ Kohlenhydraten, her mit High Protein.

Ich hatte das schon öfter probiert – Low Carb, Diäten, Intervallfasten.
Und ja, eigentlich wusste ich es besser: Radikale Diäten funktionieren nicht langfristig.

Aber ich redete mir ein: Diesmal ist es anders. Ich habe ja Zeit, mich voll auf Ernährung zu konzentrieren, ohne dass das Training leidet.

Was ich dabei übersehen habe:
Im April habe ich einen neuen Job in Hamburg begonnen.
Zwei- bis dreimal pro Woche pendle ich nun zwischenBremen und Hamburg – 1,5 bis 2 Stunden pro Strecke.

Realitätsschock

Ich hatte unterschätzt, wie viel Energie ein neuer Job kostet.
Neue Strukturen, neue Menschen, neue Verantwortung – das zieht Kraft.

Am Ende stand das Fazit meiner Verletzungszeit:


➡️ +2 kg auf der Waage
➡️ Die Erkenntnis: Radikale Diäten funktionieren – aber nur kurzfristig.

Ich brauche einen Weg, der in meinen Alltag passt.
Einen, der Teil meines Lebens wird, ohne dass ich dauerhaft auf etwas verzichten muss.

Was ich gelernt habe

Das Wichtigste:
Egal wie aussichtslos eine Verletzung scheint,
egal wie frustriert, entmutigt oder demotiviert du dich fühlst – du bist nicht allein.

Dein Körper ist ein Wunderwerk.
Er heilt. Aber er braucht Zeit, Geduld und Vertrauen.
Und genau das stärkt dich mental.

Ausblick: Neustart in Sicht

Meine Off-Season neigt sich dem Ende zu.
Ab nächster Woche darf ich mich wieder frei bewegen, ganz ohne Plan – einfach, weil es sich gut anfühlt.

Der Weg nach Kalmar 2026 beginnt.
Und diesmal mit einem klaren Ziel:
Nachhaltig, gesund und mit Freude.

Auf geht’s – es ist nie zu spät, um einen neuen Anlauf zu wagen.


Kilo runter, Meter rauf – dein Sergio

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